„O’zapft is“ – München mag mich!

Auf die Wiesn mit Handicap?

Oktoberfest

Mütter mit dem Nachwuchs im Kinderwagen können es wahrscheinlich am besten nachvollziehen: Bei dem Gedanken, ein Gefährt durch die riesigen Menschenmassen auf dem Münchner Oktoberfest zu steuern, kann einem glatt der Schweiß ausbrechen. Multipliziert man diese Vorstellungen noch durch die Annahme, dass sicherlich einige der Wiesn-Besucher unter leichtem Alkoholeinfluss stehen und selbst Mühe haben könnten, sich fortzubewegen, ist die Liste an Bedenken als Rolli-Fahrer stressfrei über das Gelände und durch den Tag zu kommen beinahe komplett.

Jedoch – und da kommt wieder das Thema einer möglichst selbstbestimmten und flexiblen Lebensgestaltung ins Spiel – hält mich das natürlich nicht davon ab, meine Assistentin Kathrin dazu zu animieren, den Test gemeinsam mit mir zu wagen. An dieser Stelle vorab auch noch ein großes Dankeschön an Anne, die zwar nicht bei mir angestellt ist, aber dennoch Lust hatte, uns auf dem München-Trip zu begleiten! Es war toll, euch beide dabei zu haben. Ohne euch hätte es nur halb so viel Spaß gemacht.

Münchner Oktoberfest ideal auch für Rolli-Fahrer

Oktoberfest

Um kurz zu machen: Ich wurde absolut positiv überrascht von der Barrierefreiheit auf dem Münchner Oktoberfest. Alle Wege waren sowohl auf dem Außen- wie auch auf dem Innengelände problemlos für mich passierbar. Auch innerhalb der Zelte gab es keine Schwierigkeiten, einen geeigneten Platz für uns mit dem Rollstuhl zu finden. Im Gegenteil: Was uns aufgefallen ist, war die große Hilfsbereitschaft der Münchner und der „Zugeroasten“. Alle, auf die wir getroffen sind, waren nicht nur sehr offen und freundlich, sondern vorallem auch äußerst hilfsbereit und bemüht, dass die Wiesn auch für mich zu einer spaßigen Erfahrung werden konnten. So war es zum Beispiel für niemanden ein Problem, an den ohnehin schon vollen Tischen zusammenzurücken, damit auch ich mit meinem „schweren Gefährt“ gemeinsam mit allen anderen feiern konnte. Im Gegenteil: Wir wurden absolut herzlich aufgenommen, in Gespräche verwickelt und behandelt wie alle anderen auch. Das mag euch selbstverständlich vorkommen, allerdings sieht die Praxis oft anders aus. Viele Menschen wissen nicht, wie sie sich „richtig“ verhalten sollen – man bemerkt den Unterschied im Umgang mit gesunden Menschen in vielen kleinen Nuancen. Während unseres Besuches auf dem Oktoberfest war das alles jedoch kaum spürbar für mich. Wie ihr seht, hatte ich einen RIESENSPAß!

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Münchner Hofbräuhaus, Englischer Garten, Bavaria Filmstudios & eine Portion Fußball

Ich dachte mir: Hey, wenn ich schonmal in München bin, schauen wir uns doch noch einige andere Highlights an, die die Stadt zu bieten hat. So haben wir natürlich auch typisch bayrisches Essen im Münchener Hofbräuhaus genossen.

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Außerdem waren wir im Englischen Garten, der wirklich einiges an Natur zu bieten hat. Hier kann man seinen Tag in wirklich toller Umgebung verbringen und die Seele baumeln lassen. Super geeignet auch für Kinder, Ruhesuchende und Naturliebhaber jeden Alters und eben auch für Rolli-Fahrer. Alles, was wir uns anschauen wollten, war frei zugänglich. Hindernisse, die mir das Vorankommen erschwert hätten, sind uns nicht begegnet.

Für einen Besuch der Bavaria Filmstudios waren wir dann leider dann doch zu spät dran, aber allein das Außengelände macht schon Lust auf mehr. Wenn wir das nächste Mal nach München kommen, stehen die Filmstudios auf jeden Fall auf unserer To Do-Liste.

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Was darf an einem gelungenen Wochenende – zumindest für mich – nicht fehlen? Ihr ahnt es bereits: der 1. FC Kaiserslautern, der gegen 1860 München angetreten ist. München als Stadt war eine tolle Erfahrung und ich kann die Münchner nur loben für ihre Kultur, ihre wunderschönen Naturräume mitten in der Stadt und vor allem für ihre menschliche Offenheit und Toleranz. Jedoch, liebe Münchner, wenn es um den Fußball geht, werdet ihr niemals meine Nummer 1 sein. Denn diese Spitzenposition gehört natürlich dem 1. FCK (nachzulesen auch in meinem Blogbeitrag „Das Spiel meines Lebens“). Das Endergebnis 1:1 werte ich aber vor dem Hintergrund, welch ein super Wochenende ich bei euch verbringen durfte, als einen akzeptablen Kompromiss. 😉

„München mag dich!“ – Oh ja!

Vor einigen Jahren etablierte die Hauptstadt Bayerns ihr Standortmarketing mit dem Slogan „München mag Dich!“. Ob diese Kampagne noch läuft und das der aktuelle Claim ist, weiß ich leider nicht, aber hey München, ihr habt mir wirklich das Gefühl gegeben, dass ihr mich mögt – egal ob mit Rolli oder ohne, egal ob gesund oder als Mensch mit Behinderung. Macht weiter so, wir werden auf jeden Fall wiederkommen und uns die vielen interessanten Ecken eurer Stadt anschauen. Was die Barrierefreiheit und Offenheit gegenüber Menschen mit Behinderung angeht, habt ihr euch die Messlatte selbst nun sehr hoch gehängt. Davon zeugen meine ausschließlich positiven Erfahrungen an den von mir besuchten Orten und insbesondere auf dem Münchner Oktoberfest. Ich freue mich darauf, mehr von euch zu sehen 🙂

Weitere lesenswerte Beiträge zum Münchner Oktoberfest gibt es bei der Wiesn-Blogparade von muenchen.de: http://blog.muenchen.de/blogparade-o-muenchen/

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